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Brief zum Thema KeinVerlag
von Feuervogel.
Da liege ich in meiner Leseecke mit Blick hinaus auf den Innenhof, wo sich bereits der Schnee türmt. Innerhalb von Stunden hat der kalte Wintergesell unsere Stadt eingenommen. Seinem Treiben ist noch kein Ende abzusehen, denn es schneit unaufhörlich.
Schwäche und Schmerzen machen den Tag erträglich und ich widme mich einem neuen Buch. Ich empfinde Freude es in meinen Händen zu halten. Ein Buch über Goethe und Schiller, und deren Beziehung der besonderen Art, welche Beide zu Höchstleitungen anspornte und in der sich Beide gegenseitig befruchtet haben. Dennoch waren sie auch nicht ein Herz und eine Seele.
In diese winterliche Stille hinein, frage ich mich beim Lesen der ersten Seiten, "wer ist mein Dichterfreund?" Wer wirkt befruchtend auf mich? Wer neidet mir und wem neide ich die Kunst?
An einem gemeinsamen Werk zu arbeiten bleibt mir ein Traum. Schon lange hege ich den Wunsch meine Texte im Rahmen eines Tanztheaters auf die Bühne zu bringen. Jedoch die Kraft fehlt, wohl auch die Überzeugung alleine Energie zu investieren. Ich bin vorsichtiger und zurückhaltender geworden, was meine Offenheit neuen Projekten gegenüber bedeutet. Ich warte auf Mittänzer, die mit mir die Lesung der anderen Art zelebrieren.
Ich fühle mich gefunden in den Worten Goethes, der seine Aufmerksamkeit darauf richtete:
"inwiefern andere mich wohl erkennen möchten, damit ich in und an ihnen, wie an so vielen Spiegeln über mich selbst und über mein Inneres deutlicher werden könnte."
Er fand keinen besseren Bewusstseinsspiegel als Schiller.
Wer aber ist meiner? Wem diene ich als Spiegel? Manchen Reaktionen zufolge tat ich dies schon, doch wandelte sich Betroffenheit und Ärgernis in echtes Bewusstsein?
Mir ist lange klar, dass die Welt mir Spiegel ist. Alles was mich berührt, ärgert, freut, schmerzt findet seine Entsprechung in mir. Wäre dem nicht so, bliebe ich emotionslos.
Ich denke es gibt doch so viel mehr was uns miteinander verbinden kann, als kurzzeitiges Vergnügen. Mein Geist, wie auch meine Seele dürsten nach Tiefgang. Leidenschaftlich geführtes Gespräch, welches mein Herz höher schlagen lässt, ist mir erotischer Genuss ohne Körperlichkeit.
Wieviel mehr lässt sich finden an Körper und Substanz in einem üppigen Geistesmahl. Nichts gegen körperliche Freuden, aber ohne Geist fühle ich mich dem animalischen verbundener als dem menschlichen und auch göttlichen. Mein Sinn aber ist ein anderer.
Manchmal will ich fliehen in diese andere Zeit, doch dann dürfte ich nicht Frau sein. Meine Weiblichkeit würde Dichter befruchten, aber meinem eigenen Innenleben müsste ich fern bleiben. Ich würde jenen zur Inspiration dienen, was auch eine schöne Form des Ausdrucks sein kann, aber doch nicht alles.
Obwohl ich gerne Muse wäre, einem besonderen Geist. Könnte er malen mein und schreiben mich, könnte ich mich finden in seinem Ausdruck, wäre mir das auch wahre Sinnhaftigkeit.
Ich hätte ansonsten nichts zu sagen, würde wohl nur die Sprachlosigkeit anderer befruchten. Habe ich denn heute etwas zu sagen? Wenn ja, würde ich gehört?
Ich vertiefe mich wieder in die Anfänge der Begegnung zwischen den Dichterfürsten. Ich schließe meinen ersten Brief an dich mit den Worten Schillers, die er durch die Freundschaft in sich fand:
" dem Vortrefflichen gegenüber, gibt es keine andere Freiheit als die Liebe"
Sie ist es für die auch ich lebe, für keine geringere Kraft, für keinen geringeren Sinn.
Herzlichst die Deine!
Michaela Möller
"
Veröffentlicht am 01.12.2009, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 01.12.2009). Dieser Text wurde bereits 213 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 08.09.2010.
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