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Drama zum Thema Liebe & Schmerz
von Rogalla.
Schmetterlinge
dürfen
nicht weinen.
Der Mönch aus Nakhon Phatos
Roman
Er nannte sie:
„Mein kleiner Schmetterling“.
Sie liebten sich über alles, und sie hätten ihr Leben füreinander gegeben.
Aber ihre Liebe stand unter keinem glücklichen Stern!
Sie wusste es.
Doch sie konnte es ihm nicht sagen.
Den Schmerz trug sie in ihrem Herzen.
Aber Schmetterlinge dürfen nicht weinen!
Es war bereits Mitte Oktober.
In Thailand ging die Regenzeit ihrem Ende zu. In den letzten Tagen hatten reichliche Niederschläge die Weltstadt fast einen halben Meter unter Wasser gesetzt. Der über die Ufer getretene Fluss Menam, oder Chao Phya, wie er hier genannt wird, hatte die gesamte Stadt überflutet. Ratten, Mäuse, Schlangen und anderes Getier waren ertrunken und trieben an der Oberfläche. Die Abwässer stiegen in den Sielen hoch und mischten sich mit all dem anderen Unrat, der aus den letzten Winkeln gespült wurde.
Der zäh fließende Straßenverkehr schob eine Flutwelle vor sich her. Gelassen wateten die Asiaten durch das dunkelbraune Hochwasser. Polizeibeamte standen kniehoch im Wasser und versuchten den chaotischen Verkehr in einigermaßen sinnvolle Bahnen zu lenken.
Das Taxi hielt in der Silom Road vor dem Hotel „Rama“ einem Mittelklasse Hotel, nachdem es Frank bereits in der Rajaprarob Road, im Hotel „Indra“ abgesetzt hatte. Vom Eingang führte ein Steg durch die Empfangshalle, um die Gäste trockenen Fußes an die Rezeption zu bringen. Hilfreich kamen ein paar Boten, die sich Svens Gepäck annahmen.
An der Rezeption lächelten ihm die hübschen Empfangsdamen zu und wiesen ihm ein Zimmer im oberen Geschoss zu.
„Wünschen sie während ihres Aufenthaltes ein paar Ausflugsfahrten zu unternehmen?!“, fragte das Mädchen lächelnd.
„Ja, das würde ich sehr gerne machen. Aber können wir das nicht morgen buchen?“, fragte Sven.
„Morgen ist bereits eine Tour geplant und ich könnte sie noch nachmelden, wenn es gewünscht wird!“
„Wohin geht denn morgen die Tour?“, wollte Sven Bischoff wissen.
„Morgen ist eine Tempeltour angesetzt. Es geht um acht Uhr los. Wollen sie mitfahren?“, lächelte sie immer noch so freundlich wie zuvor.
Sven war von ihrem Charme gefangen und hätte beim besten Willen kaum noch ablehnen können:
„Also gut, dann um acht Uhr!“, stimmte er zu.
„Danke, sie werden also um acht Uhr hier abgeholt und sind gegen vier Uhr am Nachmittag zurück. Sie werden rechtzeitig geweckt, sodass sie noch in Ruhe das Frühstück einnehmen können. Welche Touren darf ich dann noch für sie buchen?“
„Was bieten sie denn an?“, interessierte sich Sven, der sich gerne noch weiter mit dem Mädchen unterhielt.
„Da ist die Fahrt zu den schwimmenden Märkten, eine Tagesfahrt auf den Klongs mit einem reichhaltigen Büfett, eine Fahrt in die alte Kaiserstadt Ayuthya, eine Fahrt mit dem Zug in den Süden nach Pechaburi, zur River Kwai Brücke, eine Stadttour durch Bangkok, ein Urwaldtrip nach Chiang Mai, eine Tour nach Kanchana Buri oder eine Reise in das Sukhothai Gebiet oder eine … “
„Langsam, langsam, das wird zu viel auf einmal! Also, da muss ich ja meinen Urlaub um ein paar Wochen verlängern!“, lachte Sven Bischoff, „aber buchen sie für mich bitte die schwimmenden Märkte, die Fahrt auf den Klongs und die alte Kaiserstadt möchte ich mir auch gerne ansehen. Wenn dann noch Zeit und Geld übrig sind, können wir uns ja immer noch überlegen, wohin ich noch fahren möchte. Einverstanden?“
„Es gibt hier viel zu sehen in unserem Land. Sie werden staunen!“, lächelte das Mädchen.
Der Ventilator an der Decke surrte leise vor sich hin und wirbelte die etwas stickige und feuchte Luft durcheinander, was aber keinerlei Erfrischung brachte. Die Klimaanlage dagegen tat des
Guten ein wenig zu viel und blies extrem kalte Luft in den Raum. Sven Bischoff suchte nach einem Schalter um dieses Monster auszuschalten:
„Wer in den Tropen gesund bleiben will, der sollte diese üblen Geräte einfach abschalten und dafür lieber ein wenig schwitzen. Das sind die reinsten Bakterienschleudern!“, dachte er, wobei er durchaus nicht verkehrt lag.
Es klopfte an der Zimmertür. Erst vorsichtig, zaghaft, dann etwas lauter und schließlich fordernd.
Sven Bischoff schreckte auf. Er hatte auf dem Bett gelegen und war erschöpft eingeschlafen. Er sah zur Uhr. Er musste wohl drei Stunden geschlafen haben.
„Sir, sind sie wach?“, hörte er eine Stimme.
Noch etwas schlaftrunken rieb er sich die Augen, bevor er aufstand und öffnete.
Eine bildschöne, dunkelhäutige Thai stand vor ihm. In ihrem weißen Kittel sah sie noch exotischer aus, als sie es ohnehin bereits war. Über ihrem Arm trug sie ein paar Badetücher, einen Bademantel und einige Gefäße mit irgendwelchen Massageölen:
„Mein Name ist Leah. Ich bin für die Thai – Massagen zuständig. Darf ich sie massieren?“, fragte sie mit dem bezaubernsten Lächeln der Welt, wobei ihre schneeweißen Zähne blitzten.
Sven war irritiert. Er wusste die Lage nicht richtig einzuschätzen. War es ein gut verpacktes Angebot für Sex oder war es ein gut gemeintes Angebot des Hauses? Er benötigte ein paar Minuten, ehe er antworten konnte:
„Danke für das freundliche Angebot, aber im Moment denke ich eher, dass ich ohne eine Massage gut auskommen kann!“
„Sir, sie kennen vermutlich unsere Massagen in Thailand noch nicht. Daher kann ich verstehen, dass sie es im Moment ablehnen. Glauben sie mir, es ist nichts Unanständiges dabei!“, sagte Leah, als sie sich grazil an ihm vorbei in das Zimmer schob. Mit einem Blick auf den Bademantel, den sie vor ihm auf das Bett legte, fuhr sie fort:
„Sir, sie können sich im Bad ausziehen. Ich werde hier warten. Das Höschen behalten sie natürlich an!“, lächelte sie verführerisch.
Sven Bischoff fühlte sich in die Enge getrieben. Wollte dieses traumhaft schöne Wesen ihn nicht verstehen oder war sein Englisch so schlecht? Er kam zu der Überzeugung, dass beides wohl nicht zutraf, sondern, dass dieses Mädchen einfach nur geschäftstüchtig zu sein schien:
„Leah“, sagte er mit weicher, vorsichtiger Stimme, um sie nicht zu verletzen, „ich gab ihnen zu verstehen, dass ich für heute keine Massage möchte. Deshalb muss ich sie bitten, wieder zu gehen.“
Er nahm den Bademantel auf und legte ihn ihr über die Schulter. Dann schob er sie langsam zur Zimmertür.
„Sir, bitte!“, bettelte Leah, „Wir haben im Hotel nur wenige Gäste. In der Regenzeit kommen nur wenige Touristen. Mein Chef wird mit mir schimpfen und mich schlagen, wenn ich wieder kein Geld verdiene. Die Massage kostet nur dreißig Baht. Ich bekomme davon nur fünf Baht als Lohn. Aber ich habe auch eine Familie und zwei Kinder die essen wollen. Wie kann ich Geld verdienen, wenn mich alle wieder fortschicken. Sir, ich bitte sie, ich werde es auch besonders schön machen! Ich verspreche es!“
Der Blick ihrer Augen hätte einen Stein erweichen können! Sven fühlte Schuldgefühle. Ohne ein Wort zu sagen, nahm er den Bademantel und verschwand in seinem Bad.
„Danke, Sir!“, Leah strahlte!
Kurz darauf hörte sie, wie das Wasser der Dusche rauschte. Leah breitete das große Badelaken auf dem Bett aus und öffnete anschließend ihre verschiedenen Fläschchen mit den Duftölen.
Sven kam aus dem Bad zurück. Entspannt legte er sich auf das Badetuch.
„Sir, sie sollten zuerst auf dem Bauch liegen. Dann werde ich den Rücken massieren!“
Sven tat, wie ihm geheißen. Kurz darauf fühlte er ihre grazilen Hände über seinen Rücken gleiten. Ihre zarten, ja fast zerbrechlich wirkenden Hände, konnten dort, wo die Muskelfasern verspannt waren und Knoten bildeten, aber auch erstaunlich kräftig zufassen. Nach wenigen Minuten umgab ihn eine wohlige Wärme, die ihm Ruhe und Entspannung bescherte.
In der Nacht hatte Sven Bischoff in der ungewohnt feuchtwarmen Schwüle, die in seinem Zimmer herrschte, unruhig geschlafen.
Das Telefon in seinem Zimmer läutete. Erst als es bereits zum dritten Mal klingelte, erwachte er. Als es energisch weiter klingelte, griff er verschlafen zum Hörer.
„Guten morgen, Sir. Hier ist die Rezeption. Ich möchte sie daran erinnern, dass sie um acht Uhr von der Reiseleitung für die gebuchte Tempeltour abgeholt werden. Das Frühstücksbüfett befindet sich im Esssaal im Erdgeschoss. Ich wünsche ihnen einen schönen Tag!“
„Ja, danke!“, entgegnete Sven, „das wünsche ich ihnen auch!“
Nach dem reichhaltigen Frühstück, das er im Esssaal zu sich genommen hatte, fand er sich pünktlich an der Rezeption ein. Erstaunt stellte er fest, dass von der Überschwemmung im Haus nichts mehr festzustellen war. Auch die Straßen waren, bis auf ein paar Pfützen, wieder frei von dem Wasser des Chao Phya Stromes.
An der Anmeldung sah er eine junge Thai stehen, die sich mit den Damen des Hotels unterhielt. Sie hatte lange, bis zur Hüfte reichende, schwarzblaue Haare, trug eine weiße Bluse und dazu eine enge Jeans. Über ihrer Schulter hing ein schwarzes Täschchen.
„Guten morgen“, sagte Sven, „wo sind die anderen Touristen, die auf die Tempeltour gehen möchten?“
Die Frauen kicherten leise.
„Mein Name ist Chuntra Ploymat“, begrüßte ihn die Reiseführerin in bestem Englisch, „ ich bin heute ihr Touristguide. Leider sind sie mein einziger Gast, aber zurzeit sind alle Hotels fast leer, denn die Touristen meinen in der Regenzeit von Juni bis Oktober würde es ständig regnen. Aber so ist es eigentlich nicht. Ich bin froh, dass ich wenigstens sie noch habe!“, lachte sie fröhlich, „Kommen sie, draußen wartet unser Fahrzeug!“
Chuntra Ploymat setzte sich neben den Fahrer:
„Mister Bischoff, wissen sie schon, was sie auf dieser Tempeltour alles erwartet?“, fragte sie.
„Ich habe in Deutschland ein wenig in Büchern gelesen. Aber jetzt habe ich ja eine reizende Führerin, die mir alles viel besser erklären wird, oder?“, scherzte Sven.
„Ich bin nur eine Studentin, die sich in ihrer Freizeit ein wenig hinzu verdient. Aber ich werde mich bemühen! Vielleicht ist es gut, wenn ich vorweg ein paar allgemeine Informationen über „Krung Theb“ gebe, das heißt in thailändisch nämlich „Stadt der Engel“ und meint damit das heutige Bangkok. Bangkok ist die einzige Großstadt in Thailand und hat im Moment etwa sechs Millionen Einwohner. Sie liegt am linken Ufer, nämlich dem Ostufer, des Menam oder Chao Phaya. Wir sind etwa dreiunddreißig Kilometer vom Golf von Thailand entfernt. Die Innenstadt von Bangkok wurde zum Schutz in einer Flussschleife angelegt. Um besser gegen Angriffe von Osten geschützt zu sein, wurde eine zehn Meter hohe Verteidigungsmauer mit Zinnen errichtet. Am Westufer liegt der Ort Thonburi.
Kern der Innenstadt ist der Königspalast mit dem dazu gehörigen Tempel hinter einer Mauer von 1300 Metern Länge. Von dieser Königsburg aus wurden in den weichen Boden radiale und konzentrische Kanäle, die so genannten Klongs, gegraben. Sie dienten als Verkehrswege und gaben Bangkok den Namen „Venedig des Ostens“. Erst sehr viel später wurde Parallele zum Fluss die New Road, die erste Landstraße, gebaut. Von den einstiegen Kanälen sind heute bereits viele nicht mehr vorhanden. Sie sind genauso verschwunden wie die vielen Pfahlbauten und Bambushütten. Ich habe das Glück, dass meine Familie noch heute in so einem Dorf auf Pfählen wohnt. Die Pfahldörfer mussten breiten Straßen und Häusern aus Stein weichen.“
Der Wagen erreichte von der Dinso Road den Kreisverkehr, wo er sich unter lautem Hupen hineinschob, um dann rechts der Rajdamnoen bis zur Sanman Chai Road zu folgen. Rechter Hand lag jetzt der Grand Palace, der Große Königspalast.
„Haben sie auch eine Besichtigung des Palastes vorgesehen? Er ist nämlich in meinem Programm nicht enthalten!“, fragte die Reiseführerin.
„Ich habe so viel gebucht, dass ich es gar nicht genau sagen kann. Aber, wenn ich mich richtig erinnere, so denke ich, dass der Königspalast nicht dabei war!“
„Das ist schade, denn wir besuchen jetzt nur den Wat Phra Keo, das ist das Kloster des Smaragd Buddhas. So, wir sind da, sie können jetzt aussteigen.“
„Frau Ploymat, was bedeutet eigentlich das Wort „Wat“? fragte Sven.
„Danke für die Frage, das gibt mir die Möglichkeit ihnen einige Begriffe, die wir noch häufiger hören werden, zu erklären. Als Wat versteht man in der Regel die gesamte umschlossene Tempelanlage eines Klosters. Der Bot ist die heiligste Kultstätte innerhalb eines Wats. Dort werden die Mönche geweiht und in dem Orden aufgenommen. Vom nicht geweihten Bereich wird der Bot durch Bai Semas, das sind Grenzsteine, getrennt. Meistens sind es acht Stück an der Zahl. Ein weiterer Bai Semas ist häufig unter dem Altar aufgestellt. Also sind es insgesamt immer neun Grenzsteine. Den Versammlungsort, wo sich die Mönche zur Andacht aufhalten, nennt man Viharn. Es gibt immer mehrere Vihara, aber immer nur einen Bot. Den glockenförmigen und dann spitz zulaufenden Turmbau bezeichnet man als Chedi. Hier wird immer eine Reliquie aufbewahrt. In Indien oder Nepal nennt man es Stupa, in Japan und China sind es Pagoden, in Ceylon nennen sie es Dagoba. Es ist aber immer dasselbe Bauwerk mit der gleiche Funktion. Vom Chedi müssen wir den Prang unterscheiden. Man nennt ihn auch den Kambodscha – Turm. Er verjüngt sich auch nach oben, endet aber nicht spitz, sondern rundlich. So, jetzt habe ich aber wohl erst einmal genug erzählt!“
„Es ist sehr interessant, aber mir kommt alles sehr verwirrend vor. Ich werde wohl noch ein paar Mal nachfragen müssen. Ist das schlimm?“
Sie zeigte ihr bezaubernsten Lächeln:
„Nein, natürlich nicht! Ich werde sehr gerne antworten!“
Sie betraten die Anlage vom Osttor her und gingen dann durch das riesige Labyrinth der Anlage in Richtung Süden, bis sie vor dem Bot, standen.
„Wir müssen jetzt unsere Schuhe ausziehen!“, flüsterte sie ehrfürchtig.
„Das kommt mir sehr gelegen, denn etwas Abkühlung wird mir gut tun!“, antwortete Sven ehrlich.
Frau Ploymat sah ihn strafend von der Seite her an, aber dann lächelte sie mit den Augen. Sie flüsterte:
„In dieser Anlage unterscheiden wir drei Baugruppen: Den Bot, wo wir uns jetzt befinden, dann die Terrasse auf der das Pantheon, eine Ahnenkultstätte, und der Goldene Chedi stehen, und zuletzt das Gebäude im Norden, mit dem Vihara Yat und dem Phra Nak, einer Satteldachhalle.“
Die Atmosphäre der Kultstätte war von einmaliger Exotik. Sven hatte so etwas bisher noch nie gesehen. Hier lag das heiligste Idol des Königreichs, der Smaragd Buddha. Der rechteckige Bot hatte acht Eingangstore, die alle von Broncelöwen bewacht wurden. Die Halle wurde von einem typischen Staffeldach getragen, dass von Nagaschlangen und Glöckchen geziert wurde.
Die Reiseführerin zeigte nach oben:
„Die Figur dort in den Giebelfeldern zeigt unseren Gott Wischnu auf seinem Symboltier Garuda!“
Sven nickte beeindruckt.
Durch mit Perlmuttarbeit geschmückte Tore gelangten sie in das Innere. Auf einem Sockel, der wohl zehn Meter hoch war und sich nach oben verjüngte, stand eine etwa sechsundsechzig Zentimeter hohe Figur unter einem Baldachin:
„Das ist der Smaragd Buddha!“, flüsterte sie ergriffen.
„Aber ich sehe nur eine grünliche Figur. Wo sind die Smaragde?“, raunte Sven in ihr Ohr.
„Ja, er ist aus Jade, aber sein Gewand ist mit Smaragden besetzt. Die Götter haben ihn selber für den Schlangenkönig von Ceylon gefertigt! Er ist erst 1778 in die Hände von Rama dem I. gelangt. 1784 hat er die Figur als Schutzgott seiner Dynastie in den hierfür vorgesehen Tempel aufgestellt.“
„Dann hat Rama I. ihn in Ceylon praktisch gestohlen?“
„Nein, so kann man das nicht sagen. Ich habe es nur verkürzt wieder gegeben. Es war ein sehr wechselvolles Schicksal, das da noch mit hineinspielte. Viermal im Jahr wechselt unser König persönlich das goldene und mit Juwelen besetzte Gewand der Statue.“
Sie zeigte mit ihrer Hand auf ein Wandgemälde:
„Dort sehen wir wichtige Ereignisse aus dem Leben Buddhas. Seine Geburt ist an der Südwand, seine Erleuchtung an der Ostwand dargestellt. Die Bekehrung der fünf Einsiedler sehen wir an der Nordwand.“
Als sie den Bot verließen, gelangten sie zu dem in Kreuzform errichteten Phra Tepidorm.
„Man nennt es auch das Panteheon“, sagte die Führerin, „Es war ursprünglich für die Aufnahme des Buddhas gedacht. Jetzt ist es eine Ahnenkultstätte für die Chakri–Dynastie.“
Vor dem Treppenzugang sah Sven die Kinnorn, jene mystischen Fabelwesen, die halb Mensch und halb Tier sind.
Als sie sich vor den acht lebensgroßen Statuen befanden, erklärte sie, dass es sich um die verstorbenen Könige der Chakrie Dynastie handelt, die hier in ihren Uniformen dargestellt werden.
„Ich glaube, dass der erste Eindruck vom Wat Phra Keo jetzt wohl genügt. Oder möchten sie noch mehr sehen? Ich kann noch soviel berichten, aber es ist nicht erforderlich. Oder wollen sie noch bleiben?“, fragte Mrs. Ploymat.
„Was haben wir denn noch alles vor uns?“, fragte Sven, der nicht eine Spur Ahnung hatte, was ihn noch alles erwarten würde.
„Als nächstes Ziel werden wir den Wat Po besichtigen. Es ist der Tempel des Ruhenden Buddha.“
Als sie sich auf der Maharaj Road befanden, fragte Mrs. Ploymat:
„Ich habe im Fahrzeug ein paar Snacks und Getränke liegen. Haben sie etwas dagegen, wenn wir uns unter einen Feuerbaum setzen und eine Pause einlegen?“
„Das wäre eine gute Idee. Meine Füße werden es mir danken!“, entgegnete Sven.
Sie hatten eine Bank im Schatten unter einem der riesigen Flammenbäume gefunden. Der Baum stand voll in der Blüte. Die rotgelben, leuchtenden Blumen bedeckten die gesamte Krone des Baumes.
Die Reiseführerin packte die eingepackten Snacks aus. Als sie Sven eine Serviette reichen wollte, wehte der Wind ihr sie aus der Hand. Instinktiv beugte Sven sich, um die Serviette zu fangen. Aber auch Mrs. Ploymat war bemüht die Serviette einzufangen und so stießen beide Köpfe leicht zusammen!
Sie sahen sich verdutzt an. Sven rieb sich mit der rechten Hand seine Schläfe, sie mit ihrer Linken.
„Sir, das ist mir entsetzlich unangenehm. Ich bitte vielmals um Entschuldigung!“, erklärte Mrs. Ploymat.
„Nein, nein, das ist meine Schuld! Es tut mir wirklich leid!“, entgegnete Sven.
„Sir ich war so ungeschickt. Es ist mein Fehler!“, bemerkte sie mit Nachdruck, wobei sie ihre Hand leicht auf seine Hand legte.
Sven fühlte ihre samtweiche Haut und hätte es gerne gesehen, wenn ihre Hand noch eine Weile dort verharrt hätte, aber erschrocken zog Mrs. Ploymat ihre Hand zurück.
„Es muss ihnen nicht unangenehm sein. Bestimmt nicht!“, erklärte Sven.
Mrs. Ploymat wusste im Moment nicht so genau, was ihr Tourist jetzt gemeint hatte. War es der Kopfstoß oder, dass sie ihre Hand auf die seine gelegt hatte? Was sollte ihr nicht unangenehm sein?
Sie beschloss, das Thema zu wechseln:
„Es sind ein paar Snacks mit Hühnchenfleisch, möchten sie eines?“, fragte sie.
Aber Sven ging nicht darauf ein:
Der Roman ist bei edition NOVE erschienen.
Veröffentlicht am 14.04.2012. Dieser Text wurde bereits 202 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 19.05.2013.
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